Auf allen Kanälen schallt es uns entgegen. In Talksendungen, in den Nachrichten und der Werbung ist ständig von Altersarmut die Rede. Es wird diskutiert das Rentenalter noch weiter anzuheben und auch das Einkommen nach dem Ausstieg aus der Arbeitswelt scheint unsicher. Doch stimmt das auch? Warum betrifft uns dieses Thema – vor allem als Frau – jetzt schon? Warum sollten wir überhaupt über unser Rentenalter nachdenken? Bis wir uns zur Ruhe setzen dauert es doch noch locker 30 oder 40 Jahre – also warum der ganze Stress? Fragen über Fragen. Wir haben die passenden Antworten zum Thema Rente.

Fakten, Fakten, Fakten

Laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) erhielten im Jahr 2018 die rund 18,25 Millionen Altersrentnerinnen und -rentner durchschnittlich 906 Euro Rente pro Monat. Während Männer immerhin 1.148 Euro Monatsrente erzielen, bekommen Frauen im Schnitt nur 711 Euro überwiesen. Da stellt sich schnell die Frage der Altersarmut, die von Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt werden. Laut diesem stieg die Zahl der der Rentner und Pensionäre, die in Deutschland als armutsgefährdet gelten, im Jahr 2017 um 215.000 auf 3,2 Millionen Menschen an. Als armutsgefährdet gilt laut statista jeder, der im Monat mit weniger als 961 Euro auskommen muss.

Experten gehen davon aus, dass sich dies bis zum Jahr 2030 noch verschlimmern wird. Dann werden ältere Menschen zunehmend mit Altersarmut zu kämpfen haben – vor allem Frauen. Dies liegt mit unter daran, dass Frauen in Deutschland besonders häufig in Teilzeit arbeiten und dadurch geringere Ansprüche erwerben. Aber auch die großen Lohnunterschiede sind dafür mitverantwortlich.

Obacht beim Rentenbescheid

„Jaja, der trudelt einmal im Jahr bei mir ein und dann hefte ich ihn ab.“ Wer kennt es nicht – ohne ihn eines Blickes zu würdigen, wird der Rentenbescheid entweder direkt weggeworfen oder er verschwindet in den Tiefen eines Ordners und wurde nie wieder gesehen! Aber genau davor möchten wir euch warnen. Holt das Ding aus dem Briefkasten (sofern ihr 27 oder älter seid und diesen schon erhaltet), öffnet es und guckt es euch tatsächlich einmal an! Wenn ihr eine echte Cashqueen werden wollt, solltet ihr diesen dann als Königsdisziplin auch noch verstehen. Deswegen hier unsere kurze Anleitung, um durch das Ganze durchzusteigen (und ja, das ist der boring Teil – aber durch den müssen wir alle durch!):

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, was die so genannten Entgeltpunkte sind. Diese sammeln wir während unseres Erwerbslebens. Bei einem Jahresbruttoverdienst von aktuell etwa 32.500 Euro bekommen wir genau einen Entgeltpunkt gutgeschrieben. Verdienen wir weniger oder mehr, wirkt sich das auf unser Punktekonto aus. Je mehr Entgeltpunkte wir in unserem Arbeitsleben ansammeln, desto besser. Denn bei der Berechnung des Rentenanspruchs werden die Punkte mit dem, von der Deutschen Rentenversicherung festgelegten, Rentenwert und dem Rentenartfaktor multipliziert. Anschließend gibt es einen Ab- oder Zuschlag, je nachdem, ob man sich vorzeitig zur Ruhe setzt oder nicht. Der Rentenartfaktor für die Altersrente beträgt 1. Bei einer Erwerbsminderungsrente, falls wir nicht mehr arbeiten können sollten, liegt er bei 0,5. Okay, viel zu kompliziert? Wir zeigen es dir an einem Rechenbeispiel (und das versteht man auch, wenn man in Mathe mit 5 Punkte abgeschlossen hat):

35 (Entgeltpunkte) x 33,05 (aktueller Rentenwert 2020) x 1 (Rentenartfaktor) x 1 (Zugangsfaktor) = 1.156,75 Euro Bruttorente monatlich.

Verstanden? Sehr gut! Hiervon gehen dann noch die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ab, sowie Steuern (hier profitiert man als Rentner jedoch von Steuerfreibeträgen).

Deinen persönlichen Rentenanspruch kannst du auch einfach auf verschiedenen Internetseiten ausrechnen lassen. Zum Beispiel hier:

http://www.brutto-netto-rechner.info/rente.php

Na klar kenne ich meine Rentenlücke

Was uns dabei natürlich sofort auffällt: das sind bei dem von uns ausgegangenen Jahresbruttoverdienst von 32.500 Euro im Schnitt 600 Euro weniger pro Monat. Und ja, da ist die Inflation noch gar nicht mit eingerechnet! Wenn wir jetzt noch darüber nachdenken, dass wir mit Sicherheit mal nicht in Vollzeit arbeiten werden, sei es aufgrund einer Krankheit oder einem Kinderwunsch, und dann nicht die volle Anzahl an Rentenpunkten erhalten, setzt Panik ein!

Aber Ladies, da ihr euch gerade genau diesen Blogbeitrag durchlest, seid ihr auf dem richtigen Weg. Nun wollen wir erst einmal die Panik beiseiteschieben und gemeinsam deine persönliche Rentenlücke ausrechnen – also die Differenz zwischen dem letzten Gehalt als Berufstätigem und dem Geld, das man als gesetzliche Rente bezieht.Danach weißt du genau, wie viel Geld dir später im Alter fehlen wird. Dies kannst du ganz einfach auf folgenden Seiten:

https://www.bvi.de/service/rechner/rentenlueckenrechner/

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Online-Dienste/Online-Rechner/online_rechner.html

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung

Okay, wir sehen ein: Irgendwie ist es doch wichtig, jetzt schon einmal über unsere Renten nachzudenken und zusätzlich vorzusorgen, um die eben ausgerechnete Rentenlücke zu schließen. Und damit kann man als Frau nicht früh genug mit anfangen, denn je früher wir investieren, desto länger haben wir Zeit unser investiertes Geld zu vermehren und wachsen zu lassen.

Nachfolgend möchten wir euch die bekanntesten Arten vorstellen, um für das Alter vorzusorgen und deine Rentenlücke zu schließen:

  1. Die gesetzliche Rentenversicherung: Sie beschert uns am Ende unseres Arbeitslebens ein Auskommen in Höhe von etwa 50% unseres aktuellen Nettoeinkommens. Für sie bezahlen wir automatisch mit unseren Sozialversicherungsbeiträgen pro Monat.
  2. Betriebliche Altersvorsorge: Hier hilft uns der Arbeitgeber beim Ansparen! Der Trick liegt darin, dass ein Teil unseres Bruttogehalts direkt in eine Versorgungskasse fließt. Das heißt, dass die Beiträge nicht versteuert werden müssen und gleichzeitig unser zu versteuerndes Einkommen senken.
  3. Riester oder Rürup: Der Staat fördert unsere Altersvorsorge. Beim Riestern bekommen wir Zulagen vom Staat, die sich mit unseren Sparbeiträgen gemeinsam verzinsen. Die Beiträge zur Rürup können wir dagegen bis zu einem Betrag von 2.100 Euro pro Jahr in der Steuererklärung geltend machen.
  4. Private Rentenversicherung: Wir haben die Wahl zwischen einer klassischen und einer fondsgebundenen Versicherungspolice. Bei der klassischen Police bekommen wir eine garantierte jährliche Verzinsung und mögliche Überschussanteile. Die fondsgebundene Versicherung bietet keinen Garantiezins, dafür aber die Chance auf eine bessere Entwicklung durch die Anlage in Wertpapieren. In der Regel sind mindestens die gezahlten Beiträge garantiert.
  5. Aktien und Co.: Nimm deine Rente selber in die Hand und sorge mit ETF’s oder einem gut gefüllten Aktiendepot (am besten mit dividendenstarken Aktien) selber vor. 50 Euro im Monat reichen bereits aus mit einem ETF Sparplan über einen langen Zeitraum hinweg Geld für die Rente anzusparen. Dank des Zinseszinseffektes (wir lieben ihn!) lassen sich so über 30 Jahre mit monatlich 100 Euro mit einer durchschnittlichen jährlichen Wertentwicklung von 7% schlappe 121.287 Euro machen (obwohl wir nur 36.000 Euro eingezahlt haben).
  6. Kauf einer Immobilie: Eine sehr beliebte Form für das Alter vorzusorgen, ist der Kauf einer Immobilie, die dann hoffentlich auch im Laufe der Zeit an Wert zunimmt. Wenn das Eigenheim abbezahlt ist, lässt sich hier im Alter kostengünstig leben – so die Theorie. Denn oft werden sämtliche Nebenkosten sowie die Instandhaltungskosten bei der Kalkulation vergessen. Um dem zu entgehen, gibt es noch die Möglichkeit die erworbene Immobilie zu vermieten und damit eine zusätzliche Einnahmequelle im Alter zu haben.

Wichtig bei all diesen Möglichkeiten: Informiert euch vor einem Abschluss eines Vertrages unbedingt über die sofortigen und langfristig anfallenden Kosten. Nichts ist heutzutage umsonst, vor allem nicht die Anlage deines Geldes. Zusätzlich solltet ihr immer genau wissen, was ihr abschließt. Lasst euch niemals etwas andrehen, was auf dem Papier laut einem Berater gut aussieht (und im Kleingedruckten dann die 8% Kosten versteckt sind). Jeder muss individuell für sich eine passende Lösung finden und die mag bei einem bei seiner Lebenslage, Familienstand etc. genau das Richtige sein, bei einer anderen Person jedoch völlig das Falsche. Das Wichtigste ist jedoch, dass ihr etwas tut und ins Handeln kommt. Verlasst euch nicht auf den Staat und erst recht nicht auf euren Partner.

Unser „die-Rente-kann-kommen-Plan“

Lasst uns unseren Renten Schlachtplan noch einmal zusammenfassen:

  • To Do: Wir gucken uns unseren Rentenbescheid an
  • Need: Wir rechnen uns unsere persönliche Rentenlücke aus
  • Information: Wir informieren uns genau darüber, welche Möglichkeiten für uns persönlich in Frage kommen, um die Rentenlücke zu schließen
  • Decision: Wir legen fest, mit welcher Möglichkeit wir diese Rentenlücke schließen wollen
  • Action: Wir schließen den Vertrag ab, eröffnen das Depot oder fragen unseren Arbeitgeber, ob er eine betriebliche Altersvorsorge anbietet etc.
  • Result: Wir bleiben eisern und geben das zu sparende Geld nicht anderweitig aus

 Okay Ladies, die Rente kann kommen!

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